Ein Blick auf die Zeit nach 1969

Eine Chronik ist geprägt vom Blick in die Entstehungsgeschichte und natürlich die beste Gelegenheit, sich mit der Identität des Vereins und den Gedanken seiner Gründerväter auseinander zu setzen. Natürlich darf der Blick auf die letzten 50 Jahre nicht fehlen, schließlich hat der Großteil unserer Mitglieder nur diesen, oder einen Teil davon, miterlebt.
Das 100jährige Jubiläum im Jahre 1969 war schon eine kleine Zäsur. Noch lebte man in einer Zeit, wo man in der Jahresrechnung von „vor der Kirmes“ und „nach der Kirmes“ sprach. Die geburtenstarken Jahrgänge wuchsen in die Vereine als Pagen hinein und für sie war das jährliche Schützenfest, verbunden mit der kleinen Kirmes, das Ereignis im Jahresverlauf; vielleicht auch, weil die Lebensumstände vieler Familien einen mehrwöchigen Urlaub in den Sommerferien nicht zuließen. So warteten viele Löricker Kinder sehnsüchtig auf das erste Augustwochenende und fieberten beim Aufbau der Fahrgeschäfte mit. Die Kompanien im Regiment erfreuten sich nach wie vor eines guten Zuspruchs und eine starke Jungschützenabteilung machte durch außerordentliche Schießergebnisse bei Wettkämpfen über die Grenzen Löricks hinaus von sich reden. Das Schützenfest fand damals noch von Samstag bis Dienstag statt und den Auftakt am Kirmessamstag, mit eingekauftem Showprogramm, begleiteten die Schützen ohne Uniform. So richtig los ging es dann am Sonntagmorgen mit dem Festgottesdienst. Anschließend wurde bis Dienstagnacht im Festzelt, welches inzwischen vom Schulhof an der Hubert-Hermes-Straße auf den heutigen Standort gewechselt war, fröhlich und ausgelassen gefeiert.

Einen Nackenschlag mit viel Nachhall musste die Bruderschaft auf dem Titularfest 1971, als das Sappeurcorps von 1953 seinen Austritt aus dem Regiment bekannt gab, verkraften. Für deren Ambitionen erschien einigen Kameraden das kleine Lörick zu beengt und man wollte dem Corps größere Bedeutung verschaffen. Der Wechsel zum „großen“ Verein Stadtmitte war im Sappeurcorps mit ganz knapper Mehrheit beschlossen worden und so trennten sich, nach fast 40 Jahren Zugehörigkeit, die Wege. Es dauerte wahrhaftig bis ins Jahr 2004, um die damals entstandenen Gräben zuzuschütten. Zur Verabschiedung von Willi Speit hatte der Vorstand bewusst auch das Sappeurcorps eingeladen welches der Einladung mit Freude folgte. Seitdem besteht wieder ein freundschaftlicher Kontakt der inzwischen so weit geht, dass einige aktive Löricker Schützen gelegentlich das Sappeurcorps bei Umzügen verstärken.

In der Vereinsführung waren gestandene Persönlichkeiten bereits über einen längeren Zeitraum tätig. So sorgten Josef Dahmen und Willi Speit als 1. und 2. Vorsitzender sowie Hans Adams als Oberst für Kontinuität und eine gute Entwicklung. War mit dem Sappeurcorps eine Kompanie von der „Bahn“ (Anm., das ist der Teil zwischen Oberlöricker Straße und Hansaallee, dort wo die Straßenbahn fährt) nicht mehr mit dabei, gab es am Kirmesdienstag des Jahres 1973 plötzlich Verstärkung durch eine neue Gesellschaft. In schwarzen Anzügen gekleidet hatten sich prominente „Bahner“ der Idee verstiegen, von nun an bei den Schützen mitzuwirken. Gründungsmitglieder dieser Gesellschaft, welche sich den Namen „Schützenfreunde“ gab, waren u. A. Georg Nitsche, Fritz Manert, Gottfried Pauly, Rolf Achterfeld, Wolfram Maaßen, Rudi Winter, Klaus Hoffmann und Walter Schumacher. Damit überwiegend Personen, die auch geschäftlich in Lörick tätig waren (Bäcker, Lotto/Toto, Friseur, Edeka-Lebensmittel). Obwohl die Kameraden und ihre Familien seit Jahren dem jährlichen Schützenfest als Gäste beiwohnten, fehlte ihnen dennoch einiges zum wirklichen Schützenleben. Anders als bei den alteingesessenen Gesellschaften, die Traditionen und Rituale innerhalb ihrer Kompanien an neue Mitglieder weitergeben konnten, starteten die Schützenfreunde quasi bei Null. So sorgten sie, ob freiwillig oder unfreiwillig, für manches Schmunzeln, erfreutes Lachen, oder aber manchmal Verwunderung. Fakt ist, sie brachten frischen Wind in das Regiment!

Bereits zwei Jahre nach Gründung stellten die Schützenfreunde mit Fritz und Ulla Manert das erste Regimentskönigspaar in ihrer Kompaniegeschichte. Wenn man den Zeitzeugen Glauben schenken darf, so war der Königsschuss im Jahr 1975 eher ungeplant und den fröhlichen Begleitumständen beim Vogelschießen geschuldet. Nichtsdestotrotz nahm Fritz Manert dieses Amt mit der gebotenen Ernsthaftigkeit, verbunden mit seiner ansteckenden Fröhlichkeit, an und bescherte seiner Kompanie ein unvergessenes Jahr.

Gründungsmitglieder

Nur drei Jahre nach Gründung der Schützenfreunde gab es eine weitere Gesellschaft, die in das Löricker Regiment aufgenommen wurde. Allerdings im Gegensatz zu den Schützenfreunden waren die Gründungsmitglieder, obwohl jungen Alters, schon gestandene Schützen, weil sie alle schon als Pagen mit dabei waren. Es war die Geburtsstunde des Husarenschwadron „Fidele Löricker“. Der starke Zusammenhalt in der Jungschützenabteilung über Kompaniegrenzen hinweg hatte den Wunsch hervorgebracht, auch nach Ausscheiden aus der Jugend weiterhin diese Gemeinschaft zu pflegen. So kamen aus drei Gesellschaften insgesamt 9 junge Männer zusammen, die gegen viele Widerstände im Verein eine neue Gesellschaft gründeten. Darunter waren so prominente Namen wie Paul Adams, Johannes Nakaten, Franz-Peter Meuser, Hans-Josef Dietz und Hans-Werner Tups.

Auch wenn drei Gesellschaften durch Austritte betroffen waren, so traf es die Löricker Jonges am heftigsten. Verlor sie doch auf einen Schlag ihren kompletten Nachwuchs. In den ersten Jahren ihres Kompanielebens mussten sich die „Fidelen“ immer wieder zur Wehr setzen und kleinere Anfeindungen aushalten. Aber spätestens mit der fulminanten Fahnenweihe im Jahre 1985 und dem 10jährigen Jubiläum im Folgejahr war die Gesellschaft voll etabliert.

Die Jahre zwischen 1975 und 1980 war auch die Zeit, in der viele Baby Boomer über die Pagen als Jungschützen in den Verein kamen. So zählte die Jungschützenabteilung in dieser Ära teilweise 35 Mitglieder, also fast 25% des gesamten Regimentes. Begleitet wurden die Jungschützen von zwei Betreuern, die es unglaublich gut verstanden, lange Leine und Disziplin miteinander zu verbinden. Willi Speit und Karl-Heinz Belger bildeten dieses Tandem über viele Jahre zum Wohle des Vereins; denn ein Großteil dieser Jungschützengarde ist auch heute noch aktiv im Verein und bekleidet wichtige Posten, ob im Vorstand oder als Gesellschaftsführer.

Einen herben Verlust musste die Löricker Schützenfamilie im Jahre 1979 hinnehmen, als unser beliebter Oberst, Hans Adams, plötzlich und viel zu früh verstarb. Sein hintergründiger Humor und seine fröhliche Art hatten ihn zu einem allseits geschätzten Kameraden gemacht. Nachdem sich die Schockstarre langsam gelegt hatte, stellte man sich die Frage, wer Hans Adams nachfolgen könnte. Es brauchte etwas Überredungskunst um seinen damaligen Adjutanten, Josef Eisheuer, zu überzeugen, das Obristenamt in Lörick zu übernehmen. Zwar war Josef Eisheuer schon ewige Zeit Schütze, aber dies vor allem als Rittmeister des Reitervereins Büderich. Josef füllte dieses Amt über einen Zeitraum von 18 Jahren hervorragend aus und erwarb sich in dieser Zeit sehr viele Sympathien. Josef Eisheuer war es auch, der gemeinsam mit dem damaligen Major Paul Adams das Fest zum 125jährigen Jubiläum der Bruderschaft maßgeblich mitgestaltete. Tragisch nur, dass er aufgrund einer sehr schmerzhaften Blessur den Festumzug beim Jubiläumsfest versäumt hat. Von ihm mussten wir uns leider für immer im Jahre 2017 verabschieden.

Nachdem im Jahr 1986 erstmals zum Schützenfestauftakt statt eingekaufter Künstler eigene Mitglieder das Abendprogramm gestalteten (wer erinnert sich nicht an Mary & Gordy!), war dies der Startschuss für eine Vielzahl an selbst kreierten Programmen auf sehr hohem Niveau. Neben dem Charme, den solche Auftritte mit sich bringen, denn man hatte große Freude am Erraten der Protagonisten und wie sie sich auf der Bühne präsentierten, sorgten die eigenen Programme für ein regelmäßig volles Festzelt. Was haben wir uns nicht prächtig amüsiert. Ob bei der „Reise um die Welt“, der „Modenschau“ oder den tänzerischen Darbietungen beim „Schwanensee“. Unvergessen bis heute! Dieses Engagement hielt etwa 10 Jahre an und hier tat sich insbesondere der spätere Oberst und heutige Ehrenoberst, Paul Adams, als treibende und innovative Kraft hervor. Irgendwann wurde es schwieriger, motivierte Kameraden für das Programm zu begeistern. Bedeutete es doch monatelanges, hartes Proben für den einen Abend. Gewisse Abnutzungserscheinungen lassen sich nun mal nicht verhindern. Wie heißt es so schön: Alles hat seine Zeit.

Es stand bereits eine neue Herausforderung für die Löricker Schützenbruderschaft an: Das 125jährige Jubiläum im Jahre 1994. Dieses sollte auch, nach eigenem Wunsch, der würdige Abschluss von Josef Dahmen in seiner Funktion als 1. Chef des Vereins sein. Der heutige 1. Chef, Thomas Hummelsbeck, folgte dem Ruf von Josef Dahmen und übernahm 1990 die Aufgabe des 1. Kassierers im Regiment. Ein, in dieser Zeit, nicht beneidenswerter Job. Hatten doch die Besucherzahlen zu den Schützenfesten und damit die Einnahmen aus Eintrittsgeldern stark nachgelassen. Bei gleichzeitig immer höheren Ausgaben ergab sich seinerzeit ein regelmäßiges Minus am Jahresende in der Kasse. Nun ging es darum, im Vorstand die notwendigen Entscheidungen zu treffen, um die Bruderschaft für das Jubiläum finanziell ordentlich aufzustellen. Es wurde die Idee der Löricker Jonges mit der Ausrichtung eines Dorffestes übernommen. Erstmals im Jahre 1991 feierte man im „Dorf“ mit vielen Gästen einen gelungenen Auftakt. Die Besonderheit war, dass sich alle Kompanien einbringen mussten, um z. B. den Grillstand zu managen, Getränke auszuschenken oder eine gewaltige Anzahl an Kuchen zu verkaufen (das übernahmen regelmäßig die Schützenfrauen). Man nahm die Schützen jetzt nicht nur im August beim Schützenfest wahr, sondern auch im Jahresverlauf und ohne Uniform. Eine Tradition, die bis heute andauert, war geboren. Verschweigen wollen wir natürlich nicht, dass der Reinertrag aus dem Dorffest auch der Vereinskasse gut tat. 1992 erschien dann die erste Ausgabe eines Festbuches zum Schützenfest. Beste Gelegenheit, sich medial der Öffentlichkeit zu präsentieren und gleichzeitig durch Anzeigeneinnahmen zusätzliche Erträge zu generieren. Auch dieses Experiment schlug ein und so erfreuen wir uns bis zum heutigen Tag an der Festschrift zum jährlichen Schützenfest. Wobei es natürlich deutliche qualitative Unterschiede zwischen der Premiere und der aktuellen Version gibt. Hier dürfen wir sicherlich zu Recht behaupten, dass die Löricker Festschrift in der Champions League unter den Festschriften spielt. Neben diesen Einnahmen aus eigenen Aktivitäten wurde für das Jubiläum ein Spartopf eingerichtet, in den jedes aktive Mitglied, neben dem Jahresbeitrag, einzahlen musste. Und so konnte die Bruderschaft frohen Mutes in das Jubiläumsjahr blicken.

Zum Auftakt des Jahres 1992 stand noch eine Satzungsänderung im Verein an, die alles Dagewesene in den Schatten stellen sollte. Vorausgegangen waren unzählige, teilweise hitzige Diskussionen. Worum ging es? Um nicht weniger als den Aufnahmewunsch eines Amazonencorps als vollwertige Mitglieder in die Bruderschaft. Die Satzung sah bis dahin vor, dass lediglich männliche Personen ab 14 Jahren aufgenommen werden dürfen. Für die Mädchen, die zahlreich und mit viel Freude im Pagencorps das Schützenfest mitmachten, war damals bereits mit 14 Jahren die Schützenlaufbahn beendet. Für eine solche Satzungsänderung war gemäß den Statuten eine 3/4 Mehrheit der anwesenden Mitglieder erforderlich. Nach der auf dem Titularfest 1992 stattgefundenen Vorstellung der jungen Damen, alles keine unbekannten Gesichter und Namen in Lörick, fand am 23.03.1992 eine außerordentliche Mitgliederversammlung mit nur diesem Tagesordnungspunkt statt. Und diese Versammlung war ausgesprochen gut besucht. Bevor man zur Abstimmung kam, wurden nochmals intensiv die Standpunkte „für“ und „gegen“ die beantragte Satzungsänderung ausgetauscht. Als das Ergebnis der geheimen Abstimmung bekannt gegeben wurde, konnte man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören. Die ¾ Mehrheit wurde mit plus einer Stimme nahezu punktgenau getroffen. Und somit begann an diesem Tag eine neue Zeitrechnung in der Löricker Bruderschaft. Der damaligen Rittmeisterin des Amazonencorps, Martina Grotjans, konnte noch am gleichen Abend die Aufnahme in das Regiment bestätigt werden. Aus heutiger Sicht betrachtet war diese Entscheidung maßgeblich dafür verantwortlich, wie sich der Verein in den darauffolgenden Jahrzehnten entwickelte.

Organisiert durch ein schlagkräftiges Team aus fast allen Kompanien marschierte man in Richtung des 125jährigen Jubiläums. Beim Schützenfest 1993 standen fünf Schützenkameraden an der Vogelstange, die alle Jubiläumskönig werden wollten. Und anstatt, wie üblich, final auf eine Holzplatte zu schießen, hatte sich die Schießleitung für einen prächtigen Adler entschieden. Dieser musste mühsam zerlegt werden. Glücklicher Sieger dieses Wettkampfes war Addi Klinkhammer von den Löricker Jonges. Er und seine Königin Gisela drückten dem Jubiläumsjahr ihren ganz eigenen Stempel auf. Wohl dem, der ein solches Jubiläumskönigspaar bekam.

Das Schützenfest 1994 hatte zahlreiche Höhepunkte parat. So wurde nach vielen Jahren die Tradition des Fackelzuges, welche in den 60er Jahren eingeschlafen war, zum Auftakt wiederbelebt. Und da man 5 statt 4 Tage feiern durfte, schlängelte sich am Freitagabend der Kirmes eine Menschenmenge wie ein bunter Lindwurm mit prächtigen Großfackeln durch Lörick. So viele Besucher am Straßenrand hatte man noch nie erlebt. Und so fulminant wie das Fest begann ging es auch weiter. Ein Showprogramm am Samstag mit vielen Stars; aber vor allem ein Festumzug nie dagewesenen Ausmaßes am Folgetag. Sieben uniformierte Bataillone mit 900 Schützen und 300 Musikern zogen am Sonntag durch die Straßen. Viele prominente Gäste hatten den Weg ins kleine Lörick gefunden, so unter anderem Hermann Macher, der Bundesschützenmeister des Bundes der historischen Deutschen Schützenbruderschaften. Dieses Jubiläumsfest ist auch bis heute unvergessen und für viele die Richtschnur für das Fest zum 150jährige Bestehen.

Nach dem runden Jubiläum im Jahr 1994 gab es im Vorstand eine wirkliche Zäsur. Josef Dahmen nahm als 1. Chef nach 32 Jahren Amtszeit seinen wohlverdienten Abschied und wurde zum Ehrenchef ernannt. Es war ein Novum, dass es im Zeitraum von 1928 bis 1994, also über 64 Jahre (!), lediglich 2 Vorsitzende, nämlich Hubert Hermes und Josef Dahmen gab. In der Jahreshauptversammlung anlässlich des Titularfestes 1995 fand die erforderliche Nachwahl für die restliche Amtsdauer statt. Mit deutlicher Mehrheit wurde sein bisheriger Stellvertreter, Willi Speit, zum neuen 1. Chef gewählt; ihm folgte als 2. Chef der bisherige 1. Schriftführer, Heinz Jürgens, nach. Der hierdurch frei gewordene Posten des 1. Schriftführers konnte mit einem bekannten Gesicht, Michael Becker, der diese Funktion bereits in früheren Jahren schon einmal ausgeübt hatte, glänzend besetzt werden. So war man im Jahr eins nach dem großen Jubiläum wieder gut aufgestellt.

Die folgenden Jahre waren geprägt von einem lebendigen Vereinsleben, in welchem sich die neuen Formate Dorffest und Festschrift zum Schützenfest weiter etablierten und zu einer noch besseren Wertschätzung in der Löricker Bevölkerung beitrugen. Die Mitgliederzahlen waren konstant bis leicht rückläufig. Die Jugendarbeit stellte sich zunehmend schwieriger dar. Zum einen waren die geburtenstarken Jahrgänge bereits Geschichte und zum anderen hatten sich die Interessen sowie das Freizeitverhalten der jungen Menschen deutlich verändert. Ein schleichender Prozess, der in zahlreichen Brauchtumsvereinen zu beobachten war und keine exklusive Entwicklung in der Löricker Schützenbruderschaft darstellte. Die Schützenfeste wurden weiterhin in traditioneller Form gefeiert. Allerdings spürten viele, dass am Format etwas geändert werden musste. Die Erfahrung aus dem Jubiläumsjahr, wo am Freitagabend zum Auftakt ein großartiger Besuch stattfand, beflügelte den Vorstand, Änderungen im Ablauf zu diskutieren. Ein schwieriges Unterfangen, wenn man bedenkt, dass die Festfolge Samstag bis Dienstag seit Jahrzehnten in Stein gemeißelt war und viele Traditionalisten sich kaum vorstellen konnten, hiervon abzuweichen. Neben einem geänderten Freizeitverhalten kamen noch rein praktische Überlegungen bei der Organisation hinzu. Seit jeher fand am letzten Schützenfesttag, dem Dienstag, ein Festumzug durch den Ort mit Königsparade statt. Zunehmend wurde es schwieriger, Musikkapellen für diesen Festzug zu bekommen. Nach und nach wurde die Antrittszeit nach hinten verlegt, um überhaupt eine Chance auf ein Engagement von Musikkapellen zu haben. All dies führte zu den Überlegungen, den Festverlauf auf Freitag bis Montag zu ändern. Premiere feierte das neue Format im Jahre 1998 aber es dauerte einige Jahre, bis sich der geänderte Ablauf wirklich durchgesetzt hatte. Nicht wenige wollten nach dem ersten Jahr wieder zum traditionellen Format zurückkehren, aber so schnell warf man die „Flinte nicht ins Korn“. Nach wenigen Jahren hatte sich der neue Festablauf etabliert. Nach wie vor gab es einen Festauftakt im Zelt aus eigenen Reihen mit wirklich kreativen Programmen. Zwar mit einigen Unterbrechungen von Jahr zu Jahr, aber dennoch gelang es uns, immer wieder talentierte Freizeitkünstler zu motivieren. Dies waren auch die Jahre, in denen es immer schwieriger wurde, die aktiven Schützen für die Regimentskönigswürde zu begeistern. An nicht wenigen Schützenfestmontagen fanden sogenannte Krisensitzungen mit den Hauptleuten und dem Vorstand statt, weil es mal wieder keine Meldung für den Schuss auf die Königsplatte gab. Mit viel Überredungskunst gelang es in jedem Jahr dennoch einen Kandidaten aus dem Hut zu zaubern; dies verdeckte aber nicht ein strukturelles Problem im Brauchtum – mitfeiern ja, mitarbeiten vielleicht aber als König repräsentieren und viel Zeit opfern auf keinen Fall. Auch bei den Jungschützen wurde die Mitgliederzahl insgesamt kleiner und zwangsläufig damit auch die Anzahl derer, die König werden wollten . So gab es nicht wenige Doppelkönige in dieser Ära.

Oberst Josef Eisheuer beendete seine Karriere als Oberst nach 16 Jahren und wurde folgerichtig zum Ehrenoberst ernannt. Ihm folgte der damalige Major des Regimentes, Paul Adams, und trat in die großen Fußstapfen des Oberst von Lörick. Mit seiner Wahl im Januar 1998 schloss sich der Kreis, indem er 18 Jahre nach dem Verlust des Vaters dessen Amt übernahm. Dieses übte er über 20 lange Jahre aus und ging damit in die Historie des Vereins als Stabsoffizier mit der zweitlängsten Amtszeit ein. In diese Amtszeit fiel u. a. auf seine Initiative die Verlegung des Dorffestes zum Dorfplatz . Auch hat er maßgeblich an der Neustrukturierung des Schützenfestablaufes mitgewirkt. Sein Amt führte er mit viel Enthusiasmus und Leidenschaft, gepaart mit einer großen Portion Disziplin aus.

Das Kompanieleben in dieser Zeit war durchaus unterschiedlich. Die ehemals mit 9 Gründern gestarteten Fidelen Löricker kratzten 25 Jahre später an der 30er-Marke. Ein gutes Zeichen dafür, wie die Generation der Söhne erfolgreich eingebunden wurde. Gesellschaften wie die Schützenfreunde und Scheibenschützen hatten ihre Talsohle, hervorgerufen durch zahlreiche Todesfälle, durchschritten und wuchsen wieder kontinuierlich zu stattlichen Kompanien. Die Löricker Jonges hatten es leider nie geschafft, den Verlust der Jungschützengarde im Jahre 1976 aufzufangen. So begann an dieser Kompanie der Zahn der Zeit zu nagen, denn ein großer Teil der Mitglieder waren seit dem Gründungsjahr 1948 dabei. Die Schießgesellschaft hatte während ihrer Blütezeit in den 90er-Jahren annähernd 50 Mitglieder aus mindestens 3 Generationen. Diese Zahl konnte zwar auf Dauer nicht gehalten werden, aber bis in das neue Jahrtausend blieb sie die mitgliederstärkste Kompanie. Die Marine-Kompanie hatte, so wie die Scheibenschützen und Schützenfreunde, die meisten Sterbefälle in ihren Reihen zu verzeichnen. Über viele Jahre ging es weder bergauf noch bergab; eher auf stabilem Niveau nahm man engagiert am Vereinsleben teil.

Im Jahre 2002 gab es einen neuerlichen Wechsel im Vorstand. War schon wenige Jahre zuvor Hartmut Grohnert als 1. Schriftführer auf Michael Becker gefolgt, wurde der bisherige 2. Chef, Heinz Jürgens, mit dem vakanten Amt des Protektors betraut; zum Gewinn und zur Freude aller Beteiligten. Ihm folgte in der Funktion des 2. Chefs Thomas Hummelsbeck nach, was zugleich eine Neubesetzung des Postens als 1. Kassierers nach sich zog, übte er doch dieses Amt seit 1990 aus. Mit Martin Wendel übernahm der bisherige 2. Kassierer diese wichtige Aufgabe. Der 1. Chef, Willi Speit, machte bereits zu diesem Zeitpunkt darauf aufmerksam, dass er altersbedingt keine weitere Amtszeit anstrebt. So fand im Januar 2004 die nächste Zäsur im geschäftsführenden Vorstand statt. Auf Willi Speit folgte nun der bisherige 2. Chef Thomas Hummelsbeck, während Stephan Speit, der älteste Sohn von Willi Speit und Hauptmann der Schießgesellschaft zum neuen 2. Chef gewählt wurde. Ein Tandem an der Vereinsspitze, welches bis zum heutigen Tage zum Wohle der Gemeinschaft tätig ist.

Beide hatten sich im Vorfeld dieser Wahlen auf Themen verständigt, die sie gemeinsam angehen wollten, um die Schützenbruderschaft zukunftsfähig aufzustellen. Insbesondere eine koordinierte Nachwuchsarbeit war erklärtes Ziel zu Beginn ihrer Amtszeit und diese nahm auch schnell Strukturen an. Die Gewinnung von Pagen und Amazonen stand im Fokus und so konnten, mit großartiger Unterstützung der Jugendbetreuung, relativ schnell Erfolge erzielt werden. Kern der Aufgabe war es, ein gemeinsames Pagencorps über die Kompaniegrenzen zu etablieren, was unter anderem mit zusätzlichen Angeboten wie Pagenfahrt, dem Osterfeuer und Übungsschießen mittels Lasergewehr gelang. Offensichtlich traf man die richtigen Entscheidungen, um wieder Interesse und Begeisterung am Schützenwesen zu wecken. In dieser Zeit wurde auch der neue Dorfplatz im Herzen Alt-Löricks geschaffen und auf dem Schützenfest feierlich eingeweiht. Dieser Ort sollte künftig Mittelpunkt des Vereinslebens sein und so verlegte man das Dorffest mit viel Erfolg. Kurze Zeit später wurde auch die Idee dort zur Weihnachtszeit einen großen Weihnachtsbaum aufzustellen in die Tat umgesetzt. Natürlich begleitet mit einem neuen Veranstaltungsformat, dem Weihnachtsbaumrichtfest. Dieses ist seit vom ersten Tag an eine, insbesondere bei den Kindern, beliebte Veranstaltung – dürfen sie doch bunte Päckchen hoch oben im Weihnachtsbaum anbringen.

Eine weitere Aufgabe des neuen Vorstandes bestand darin, denjenigen jungen Damen im Amazonencorps eine Perspektive zu bieten, die sich nicht dem weiblichen Reitercorps anschließen wollten. So war die Idee einer selbständigen „Mädelstruppe“ geboren. Bereits 2007 kam es zur Gründung der „Löricker Mädels“, welche vom Vorstand eng begleitet und unterstützt wurde. Waren es zu Beginn noch wenige, so konnte man jedes Jahr neue Mitglieder aus der Amazonenriege gewinnen und sich im Regiment zu einem festen Bestandteil etablieren. Darüber hinaus gelang es, Pagen in das Jungschützenalter hinüber zu retten und sie für weiteres Engagement in unserem Verein zu begeistern. Die Garde der Jungschützen wuchs langsam, aber stetig an. So dauerte es auch nicht mehr lange, bis wir mit Nicole Grohnert die erste Jungschützenkönigin küren konnten. Ihr folgten in den kommenden Jahren weitere Kameradinnen nach. Die Jungschützenriege sorgte auch dafür, dass das Programm aus den eigenen Reihen am Freitagabend eine wunderbare Renaissance erfuhr und sich dauerhaft als Abend der Jugend etablierte.

Im Jahre 2004 hatte die Löricker Bruderschaft 156 aktive Mitglieder und der damals frisch gewählte neue 1. Chef, Thomas Hummelsbeck, verstieg sich beim Titularfest 2004 auf die mutige Aussage, im Jubiläumsjahr 2019 sollen es 200 aktive Mitglieder sein. In Zeiten allgemein rückläufiger Mitgliederzahlen ein recht gewagter Ausblick. Bei den Regimentskönigen gab es nun eine Phase, in denen die Würdenträger sehr jung waren. Den Anfang machte Sebastian Eisheuer, der zum Zeitpunkt des Königsschusses noch im Jungschützenalter war und dieses erst im Verlaufe seines Königsjahres verließ. Mit ihm und seinem ebenfalls jungen Hofstaat zog ein frischer Wind auf ein. Sebastian Eisheuers Beispiel nahm vielen anderen jungendlichen Schützen die Angst vor der Regimentskönigswürde. Es folgte kurze Zeit später mit Philipp Meseck ein weiterer, noch „fast Jungschütze“ auf den Regimentskönigsthron. Die Zusammensetzung seines Hofstaates bestand großenteils aus seinem Freundeskreis und bei weitem waren nicht alle Mitglieder bei den Löricker Schützen. Dies sollte sich bald ändern, denn dieses Königsjahr in Lörick hatte den Ministern von Philipp offensichtlich so viel Freude bereitet, dass man sich dazu entschloss, eine eigene, neue Kompanie zu gründen. Diese bestand, bis auf zwei Ausnahmen, aus Männern, die bisher nicht in der Löricker Bruderschaft Mitglied, gleichwohl in anderen Vereinen aktiv waren. Neun junge Männer baten im Januar 2015 als 3. Jägerkompanie Lörick um die Aufnahme in das Löricker Regiment. Mit großer Freude wurden die neuen Kameraden im Kreis der Löricker Schützen begrüßt.

Das Jahr 2015 sollte in vielerlei Hinsicht Aufbruch zu neuen Ufern sein. Am 30.04.2015 fand erstmals ein großer „Tanz in den Mai“, organisiert durch die Löricker Schützen, unter Federführung von Armin Gerz, statt. Nahezu 1.000 Gäste fanden bei der Premiere den Weg ins schmucke Festzelt und so war eine neue Tradition geboren. In dieser Phase fanden weitere Veränderungen im geschäftsführenden Vorstand statt. So übernahm Werner Rieche die Aufgaben von Hartmut Grohnert als 1. Schriftführer. Hartmut Grohnert hatte diese zwölf Jahre lang mit großer Akribie gestaltet hat. In Nachfolge von Martin Wendel, der ebenfalls das Amt des 1. Kassierers bis dahin zwölf Jahre lange ausgübt hatte, übernahm Armin Gerz diese verantwortungsvolle Funktion.

Ebenfalls im Jahr 2015 startete ein Festausschuss, bestehend aus Vertretern aller Kompanien sowie dem Vorstand, mit den Planungen für das 150jährige Jubiläum im Jahre 2019; zunächst unter Federführung von Johannes Nakaten von den Fidelen Lörickern, der später gesundheitsbedingt kürzertreten musste, übernahm ab Mitte des Jahres 2016 Dirk Waltemode den Vorsitz in diesem Gremium. Dort wurde in zahlreichen Sitzungen das Format für die Jubiläumsfeierlichkeiten entwickelt. Es wurden Ideen gesponnen, näher betrachtet, weiter ausgearbeitet oder auch gleich wieder verworfen. Wir bewegen uns mit großen Schritten und viel Vorfreude auf dieses Jubiläum zu. Ob es das Highlight wird, wie es geplant ist, kann heute noch niemand voraussagen; nicht alles, wie beispielsweise das Wetter, ist vorhersehbar. Fakt ist – wenig wird dem Zufall überlassen und eine breite Palette an Aktivitäten und Ereignissen rund um das Jubiläumsschützenfest wird geboten. Eine Idee für das Jubiläumsjahr wurde schon 2017 in die Tat umgesetzt, nämlich die Ausrichtung eines Balls für die Königspaare. Nur unter uns wurde ein schöner Abend innerhalb der Löricker Schützenfamilie verbracht. Auf diese Premiere folgten noch zwei weitere Bälle für die Königspaare und so ist diese Veranstaltung inzwischen als fester Bestandteil im Vereinsleben etabliert.

Beim Titularfest im Januar 2018 stand der, von Oberst Paul Adams angekündigte und eingeleitete Umbruch im Stabsoffizierskorps an. Schon früh hatte er das Regiment darüber informiert, Anfang dieses Jahres aufhören zu wollen. Den Verjüngungsprozess hatte er mit der ihm eigenen Weitsichtigkeit selbst eingeleitet. Zwei junge Kameraden, Martin Weis und Pauls Sohn Johannes, wurden schon seit 2016 an die Aufgabe herangeführt; so wussten beide, auf was sie sich einließen. Paul Adams wurde im Januar 2018 zum Ehrenoberst ernannt und erhielt zu seiner großen Überraschung auf dem Schützenfest im gleichen Jahr die hohe und in Lörick seltene Auszeichnung des Bundes, nämlich das Schulterband zum Sankt Sebastianus Ehrenkreuz. Zu seinem Nachfolger wählte man einstimmig Johannes Adams. Es ist keine leichte Aufgabe, als Sohn die Nachfolge des Vaters anzutreten; zumal, Paul Adams kritisch alle Entwicklungen im Verein begleitetet. Aber ein hilfreicher Ratgeber bleibt er nach wie vor.

Die Frage nach dem Jubiläumskönig konnte schon auf dem Schützenfest 2018 beantwortet werden. Waren es zum 125jährigen Jubiläum noch fünf Aspiranten, so trugen im Jahre 2018 zwei Kandidaten ein Duell um die Königwürde aus; eines, dass in die Geschichte der Bruderschaft eingehen wird. Die Prognose der Schießleitung, dass die feste Platte maximal 20 Schüsse aushält, straften die beiden Königsanwärter, Michael Janz und Kurt Feller (beide von den Fidelen Löricker) Lügen. Der Kampf zog sich zum Leidwesen der Beiden unendlich in die Länge und dauerte mehr als eine halbe Stunde. Als schon fast niemand mehr daran glaubte, dass diese verflixte Platte doch noch fällt, setzte Kurt Feller den entscheidenden Schuss. Gemeinsam mit seiner Ehefrau und Königin Barbara stieg er am Schützenfestmontag auf den Königsthron und führte das Löricker Regiment in das Jubiläumsjahr.

Wie schon zuvor beschrieben erfüllte sich der Wunsch von Thomas Hummelsbeck, denn im Jubiläumsjahr zählt die Löricker Bruderschaft knapp 200 aktive Mitglieder plus Pagencorps. Das ist ein Mitgliederzuwachs von 20% gegenüber dem Jahr 2004! Eine wirklich erfreuliche Entwicklung und Zeichen dafür, dass sowohl mit einer engagierten Nachwuchsarbeit, aber auch einem verbesserten Image durch die vielfältigen Aktivitäten außerhalb des Schützenfestes, vieles möglich ist. Denn der Verein verzeichnet nicht nur wieder eine beträchtliche Anzahl an Jungschützen, sondern erfreute sich auch darüber hinaus über einen Zuwachs aus quasi allen Altersgruppen.

Die Mitgliederzahlen der einzelnen Gesellschaften zum Zeitpunkt des Titularfestes im Januar 2019:
Schiessgesellschaft 1912 = 28 Mitglieder
St. Hubertus Scheibenschützen 1927 = 31 Mitglieder
Marine-Kompanie Heimattreue 1927 = 21 Mitglieder
Löricker Jonges 1948 = 19 Mitglieder
Schützenfreunde 1973 = 31 Mitglieder
Fidele Löricker 1976 = 31 Mitglieder
Reitercorps 1992 = 9 Mitglieder
Löricker Mädels 2007 = 15 Mitglieder
3. Jägerkompanie 2014 = 9 Mitglieder

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